Kapitel 7 – Der Blutvertrag Arthur stand am großen Erkerfenster seines gesicherten Penthouses. Er blickte auf die glitzernde Skyline der Stadt hinaus. Sein rechte Hand, Silas, trat in den Raum. „Das Sterling-Anwesen ist gesichert, Sir“, berichtete Silas. „Und Eleanor?“ „Sie versucht derzeit, in einem Billig-Motel im Süden einzuchecken. Ihre Kreditkarten wurden abgelehnt.“ Arthur nickte langsam. Er empfand absolut kein Mitleid. Er wandte sich wieder dem Raum zu.
„Und Julian?“ „Kaution verweigert. Der Richter nennte eine hohe Fluchtgefahr und erdrückende Betrugsbeweise.“ Arthur goss sich ein Glas puren Whiskey ein. Julian hatte geglaubt, er könne den Geist seiner Tochter brechen. Arthur nahm einen langsamen, bewussten Schluck. „Ich will ihn im allgemeinen Vollzug. Sorgen Sie dafür, dass der Anstaltsleiter weiß, mit wem er sich angelegt hat.“ „Es wird erledigt, Sir“, bestätigte Silas. Arthur stellte das Glas ab. Seine Rache war schnell, kalt und absolut kompromisslos. Doch die Rache heilte die Wunden nicht.
Er blickte auf die geschlossene Tür des Gästetrakts. Clara war dort drin. Sie schlief tief unter dem Einfluss starker Beruhigungsmittel. Sie war körperlich in Sicherheit. Doch ihr Geist war noch immer in jenem Salon gefangen. Arthur ging langsam den Flur entlang. Er öffnete behutsam ihre Zimmertür. Er zog einen Holzstuhl heran und setzte sich an ihr Bett. Er beobachtete sie beim Atmen.
Er hatte jahrzehntelang ein Imperium der Angst aufgebaut. Doch als er seine verprügelte, traumatisierte Tochter ansah, fühlte er sich völlig machtlos. Er streckte die Hand aus und hielt sanft ihre schlafende Hand. „Ich werde nie wieder zulassen, dass die Dunkelheit dich berührt“, gelobte Arthur leise in dem ruhigen Raum.
Kapitel 8 – Das Krankenhaus-Sanktuarium Der Schmerz traf Clara um drei Uhr morgens. Es war nicht der stumpfe Schmerz der Blutergüsse an ihren Schultern. Es war eine scharfe, allumfassende Wehe, die ihr völlig den Atem raubte. Sie schrak im Bett hoch und schnappte hörbar nach Luft. Arthur war sofort an ihrer Seite. Er hatte in dem Stuhl in der Ecke des Raumes geschlafen. „Clara?“, fragte er, seine Stimme schwer von plötzlicher Panik. „Es ist soweit“, flüsterte sie und klammerte sich an ihren Bauch. „Das Baby.“ Das Penthouse geriet in perfekt kontrolliertes Chaos.
Arthur rief keinen Rettungswagen. Er hatte ein privates Ärzteteam im Gebäude in Bereitschaft. Innerhalb weniger Minuten wurde Clara in eine hochmoderne medizinische Suite im Untergeschoss gebracht. Der Raum roch steril und sauber. Es fühlte sich unglaublich sicher an. Dr. Evans, ein vertrauenswürdiger Arzt, den Arthur engagiert hatte, untersuchte ruhig Claras Vitalwerte. „Ihr Blutdruck ist durch das Trauma gefährlich hoch“, warnte Dr. Evans Arthur unter vier Augen. „Halten Sie sie absolut ruhig. Wenn sie in Panik gerät, gerät das Baby in Not.“ Arthur ging zurück zu Claras Bett. Er zog seine Sakkojacke aus und krempelte die Ärmel hoch.
Er packte ihre Hand fest. Clara weinte, ihre Augen weit vor anhaltendem Schrecken. „Julian“, murmelte sie delirierend vor Schmerz. „Er kommt.“ „Julian ist weg“, sagte Arthur bestimmt. Er beugte sich hinunter, seine Stirn berührte ihre. „Hör meine Stimme, Clara. Du bist in Sicherheit. Du bist umgeben von Menschen, die sterben würden, bevor sie ihn auch nur in deine Nähe lassen.“ Clara blickte in die stahlgrauen Augen ihres Vater. Sie sah die absolute Wahrheit darin. Die Angst begann langsam zu weichen.
„Okay“, hauchte sie aus. „Okay.“ Eine weitere massive Wehe durchzuckte ihren Körper. Sie drückte Arthurs Hand mit erstaunlicher Kraft. Der wahre Kampf fing gerade erst an.
Kapitel 9 – Die Geburt eines Vermächtnisses Die nächsten vier Stunden waren ein Schleier aus intensiver Agonie und tiefem Gefühl. Clara presste, bis sie dachte, sie würde in der Mitte zerbrechen. Arthur wich keine einzige Sekunde von ihrer Seite. Er wischte den Schweiß von ihrer blassen Stirn. Er flüsterte alte, beruhigende italienische Wiegenlieder, die ihm seine eigene Mutter beigebracht hatte. Er war kein furchterflößender Unterweltboss mehr. Er war nur noch ein verzweifelter, liebevoller Vater. „Noch einmal, Clara!“, befahl Dr. Evans. „Ich sehe den Kopf!“ Clara stieß einen rohen, kehligen Schrei aus.
Es war ein Laut absoluter Defiance. Sie presste nicht nur, um ein Kind zur Welt zu bringen. Sie drängte den Geist von Julian Sterling für immer aus ihrem Leben. Mit einer letzten, gewaltigen Anstrengung sank sie erschöpft zurück in die Kissen. Der Raum fiel für eine quälende Sekunde in absolute Stille. Und dann durchbrach ein scharfes, wütendes Weinen die Luft. Es war das schönste Geräusch, das Arthur je gehört hatte. Dr. Evans befreite schnell die Atemwege des Babys und wickelte es in ein warmes Handtuch. Er reichte das schreiende Kind an Clara weiter. Clara zog das Baby fest an ihre Brust.