„Officer, das ist eine ungeheuerliche Lüge!“, rief Diane, trat mit geschwellter Brust vor und nahm sofort wieder ihre herrische Art an. „Ich bin seine Mutter! Das ist ein simples Missverständnis zwischen Familienmitgliedern! Meine Schwiegertochter ist gestürzt, und Ethan hat einen Nervenzusammenbruch! Ich verlange, dass Sie diese Beamten sofort aus unserem Haus verweisen!“
Der zweite Beamte trat blitzschnell hinter Diane und packte ihre Handgelenke, bevor sie erneut gestikulieren konnte. „Madam, drehen Sie sich um und legen Sie die Hände hinter den Rücken. Treten Sie nicht auf die Beamten zu.“
„Wagen Sie es ja nicht, mich anzufassen!“, kreischte Diane und wehrte sich heftig gegen den Griff des Polizisten, als die Metallfesseln um ihre Handgelenke zuschnappten. „Wissen Sie, wer ich bin? Ethan, sagen Sie ihnen, sie sollen mich loslassen! Clara, du elende kleine Schlange, sag ihnen die Wahrheit!“
„Clara muss kein Wort sagen“, sagte Ethan kühl. Er zog sein Smartphone aus der Tasche, entsperrte es und reichte es dem Einsatzleiter. „Officer, unser gesamtes Haus ist mit hochauflösenden, verschlüsselten Überwachungskameras ausgestattet, die sowohl lokal als auch in der Cloud gesichert werden. Sehen Sie sich die Aufnahmen aus dem Wohnzimmer von vor fünfzehn Minuten und die aus dem Schlafzimmer von vor fünf Minuten an.“
Der Einsatzleiter tippte auf den Bildschirm. Der Raum füllte sich mit der unverkennbaren Tonaufnahme von Dianes Stimme von vor wenigen Augenblicken: „Hör auf, so zu tun, als wärst du besser als wir! Schrei lauter!“, gefolgt vom widerlichen, feuchten Knall einer Hand, die auf Fleisch traf.
Der Gesichtsausdruck des Beamten erstarrte zu Granit. Er blickte vom Bildschirm auf und sah Diane direkt in ihre panischen Augen.
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„Diane Vance, Sie sind wegen Einbruchs ersten Grades und schwerer Körperverletzung verhaftet. Vanessa Vance, stehen Sie vom Boden auf; Sie sind wegen versuchten schweren Diebstahls und Hausfriedensbruchs verhaftet.“
Während die Beamten Vanessa Handschellen anlegten und beide Frauen in den Flur zerrten, drehte Diane den Kopf und stieß Flüche aus, die durch das Treppenhaus hallten, bis die Haustür zuschlug.
Die blinkenden Blaulichter draußen verschwanden allmählich, als die Transportfahrzeuge wegfuhren und nur noch ein Streifenwagen und ein Krankenwagen am Straßenrand zurückblieben.
Unten in der Küche tupfte ein junger Sanitäter namens Marcus vorsichtig ein Desinfektionstuch auf die Schnittwunde an meiner Wange. Jede Berührung ließ mich zusammenzucken, doch der körperliche Schmerz wurde völlig von dem kalten, zitternden Schock überlagert, der durch meine Adern fuhr.
Ethan saß auf einem Hocker neben mir, das Gesicht in den Händen vergraben. Seine breiten Schultern hoben und senkten sich in lautlosen, zitternden Atemzügen. Als er schließlich aufblickte, waren seine Augen rot unterlaufen und voller Tränen.
„Es tut mir so leid, Clara“, flüsterte er mit zitternder Stimme. „Ich habe dieses Übel in unser Leben gebracht. Ich habe mir immer eingeredet, sie sei nur verbittert, nur schwierig … Ich hätte nie gedacht, dass sie dir wirklich wehtun würde. Wenn das Flugzeug kein Hydraulikleck gehabt hätte … wenn ich nicht am Terminal umgekehrt wäre …“
Er konnte den Satz nicht beenden. Er streckte die Hand aus, seine Finger verharrten zögernd, bevor sie sich zärtlich um meine schlossen.
„Es ist nicht deine Schuld, Ethan“, sagte ich leise, obwohl meine Stimme selbst mir hohl vorkam. „Du hast Vanessa den Bohrer nicht in die Hand gegeben. Du hast Diane nicht dazu gebracht, nach mir zu schlagen. Sie haben das so entschieden.“
„Das war geplant“, sagte Ethan, seine Stimme sank um eine Oktave, als sich seine Trauer in pure Wut verwandelte. „Überleg mal. Sie rief mich gestern Nachmittag dreimal an und fragte nach meinem Flugplan. Sie wollte die genaue Abflugzeit, die Dauer des Zwischenstopps in Chicago und meine Landezeit in New York wissen. Sie wollte sichergehen, dass ich in 9.000 Metern Höhe ohne Handyempfang war.“
Der Sanitäter packte seine Ausrüstung zusammen, trat zurück und nickte höflich. „Sie haben eine leichte Gehirnerschütterung, Mrs. Vance, und schwere Prellungen am Jochbein und Oberarm. Ich habe alles in diesem Bericht dokumentiert, und der Polizeifotograf hat erste Aufnahmen gemacht. Zur Sicherheit sollten Sie morgen trotzdem die Schulter röntgen lassen.“