Emily blickte auf den silbernen Schlüssel in Daniels Hand, und ihr Atem stockte. „Das ist nicht Dads Schlüssel“, flüsterte Emily, und ihre Stimme klang wie von plötzlicher, erstickender Panik gepeinigt. „Dads Schlüssel zu den Inhaberaktien war golden und hatte einen achtstelligen alphanumerischen Code. Dieser… dieser gehört zu einem privaten Schließfach in der Banque Cantonale de Genève.“ Daniel runzelte die Stirn und drehte das kalte Stück Metall in seiner Hand. Auf die Rückseite waren zwei Initialen eingeprägt, die weder zu Arthur Sterling noch zu Margaret Vance oder Julian Croft gehörten. Die Initialen lauten: E.S.
Plötzlich vibrierte Daniels Telefon in seiner Innentasche heftig. Es war kein Anruf von Jonathan Hayes, sondern eine verschlüsselte Satellitenbenachrichtigung vom Sicherheitssystem des privaten Landsitzes der Familie Sterling im Hudson Valley – einem Anwesen, das seit dem Tod von Arthur vor fünf Jahren komplett verbarrikadiert und durch biometrische Sensoren geschützt war. Daniel entsperrte das Display. Die Warnung blinkte rot:PERIMETERVERLETZUNG: SEKTOR 4 — TIEFKELTER-TRESOR.ZUGRIFFSCODE ÜBERSTEUERT: BENUTZER ‚E.S.‘
Daniel starrte auf das Telefon und dann auf Emily. „Wer hat noch das Blut deines Vaters?“, fragte er. Bevor Emily antworten konnte, piepste Judiths Kamera mit einer Dateiübertragung von einer unbekannten IP-Adresse. Es war ein Live-Überwachungsvideo aus dem Tresorraum des Anwesens im Hudson Valley. In der Mitte des Raumes stand eine Frau mit einem identischen silbernen Siegelring. Sie lächelte kalt in die Kamera und hielt einen handschriftlichen Zettel hoch:„Margaret war nur die Ablenkung, Daniel. Danke, dass du das Spielfeld geräumt hast.“ In diesem Moment flackerten die Lichter im Ballsaal und vergingen in pechschwarzer Dunkelheit.
Kapitel 12: Schatten im Blackout
Die pechschwarze Dunkelheit, die den Ballsaal verschluckte, war kein einfacher Stromausfall; sie war präzise getimt. Für zwei qualvolle Sekunden hielten die Gäste den Atem an. Dann folgte das Klirren zersplitternder Champagnergläser und schrille Panikschreie. „Emily!“, schnitt Daniels Stimme durch das Chaos wie eine eiserne Klinge. Er warf seinen muskulösen Körper über seine Schwester, um ihren Körper mit seiner Smokingjacke zu schützen. Ein roter Blitz durchschnitt die Decke, als die Notstromaggregate anliefen. Harsche rote Flutlichter flackerten auf. Im roten Halblicht sah Daniel Detective Miller, der seine Waffe zog. „Niemand bewegt sich! NYPD!“ Drüben im Raum wurde Vanessa von ihrem Vater Julian in Richtung des privaten Servicekorridors gezogen. Margaret Vance lachte hysterisch. „Du glaubst, du hast gewonnen, Daniel? Ich war nur der Rauchvorhang! Eleanor hat den Tresor deines Vaters längst ausgeraubt!“
Daniels Blut fror zu Eiswasser. Eleanor. Der Name traf ihn wie ein physischer Schlag. Es war ein Name, der in versiegelten Gerichtsakten begraben und von Porträts gestrichen worden war. Daniel stürzte los und presste Julian Croft gegen die Betonwand des Korridors. „Wer hat Eleanor die biometrischen Override-Codes gegeben?“, forderte Daniel. „Mein Vater ist vor fünf Jahren gestorben. Dieser Tresor erforderte eine lebende DNA-Übereinstimmung. Wie hat sie ihn geöffnet?“ Julian spuckte aus, die Augen vor Schrecken geweckt. „Es… es war kein doppelter Schlüssel, Daniel. Arthur hat Eleanor nie vor dir versteckt. Er hat Eleanor vor dir versteckt.“
Kapitel 13: Der Geist von Eleanor Sterling
Der Name Eleanor Sterling war ein Phantom, das durch die Peripherie von Daniels Kindheit geistert war. Im Ballsaal jaulten die Sirenen der NYPD auf. Im VIP-Bereich standen Daniel, Emily und Detective Miller starr um Judiths Live-Stream. „Sie ist achtunddreißig Jahre alt“, erklärte Daniel tonlos. „Arthurs erste Tochter. Als sie achtzehn war, versuchte sie, Sterling Aerospace zu liquidieren. Dad deckte es ab und erklärte sie nach einem fingierten Bootsunfall vor Monaco für gesetzlich tot.“ „Er hat sie nicht nur für tot erklärt, Daniel“, flüsterte Emily. „Sieh dir den Tresor an, den sie geöffnet hat. Das ist nicht das Hauptschließfach. Das ist das Sub-Level 4 Archiv-Repository.“
Auf dem Kamerabild blätterte Eleanor in einer Akte und hielt ein einziges Dokument in die Linse: Einen Adoptionsbeschluss. „Hast du wirklich geglaubt, Arthur hat dich mehr geliebt als sein eigenes Blut, Daniel?“, tönte Eleanors Stimme durch die Lautsprecher. „Du warst drei Jahre alt, als Arthur dich aus einem Waisenhaus in Boston holte, um den verlorenen Sohn zu ersetzen. Du besitzt keine Unze seiner DNA. Emily tut es.“ Daniel zuckte nicht mit der Mucel. „Das ist eine Lüge!“, schrie Emily. „Julian Croft und Margaret Vance waren gierige Narren“, fuhr Eleanor fort. „Ich versprach ihnen dreißig Prozent, wenn sie einen Hochzeitsskandal anzettelten, der dein Team in Manhattan fesseln würde. Sie haben geliefert.“ Eleanor schob die Dokumente in einen Titan-Aktenkoffer. „Ab sofort, Daniel… sind deine Konten eingefroren. Deine Privatjets am Boden. Und die Sicherheitskräfte gehören mir.“ Zwei bewaffnete Leibwächter griffen nach ihren Holstern.