„In den letzten fünf Jahren, Richard, hat Ihre Division einen jährlichen Nettoverlust von etwa vierhunderttausend Dollar erwirtschaftet. Jeder einzelne Unternehmensvertrag, den Sie angeblich ‚vermittelt‘ hatten, wurde tatsächlich über das private Netzwerk von Aldridge Industrial Holdings an Aegis weitergeleitet. Sie wurden mit Konten gefüttert, um Ihre Zahlen über Wasser zu halten.“

Sie drehte das Buch zu ihm um und zeigte auf eine Unterschrift auf einer Unternehmenssubventionsgarantie von vor sieben Jahren.

„Der einzige Grund, warum Aegis Global Ihre Position geschaffen hat – der einzige Grund, warum diese Firma Ihr Gehalt, Ihre Autozulagen und Ihre Manager-Boni bezahlt hat –, war, dass Aldridge Holdings einen unwiderruflichen Subventions-Reiter unterzeichnet hat, der ein hundert Prozent der Betriebskosten Ihrer Abteilung abdeckte.“

Richard starrte auf die Unterschrift am Ende des Dokuments.

Es war nicht seine.

Es war Katherines.

Unterzeichnet: Katherine Aldridge, Vorstandsvorsitzende der Aldridge Capital Foundation.

„Sie… sie hat meinen Job geschaffen?“, flüsterte Richard, seine Stimme brach, während der Schrecken in ekelhaften Wellen über ihn herrschte.

„Sie hat Sie getragen, Richard“, sagte Pendelton, seine Stimme von Ekel durchdrungen. „Sie hat Ihr Gehalt mit dem Geld der Stiftung ihrer eigenen Familie bezahlt. Sie hat Sie wie einen Firmen-Titanen aussehen lassen, während Sie lange Mittagessen machten und mit Ihrem Golfspiel angaben. Aber am Freitagnachmittag ist Katherine Aldridge aus dem Vorstand von Aegis Global zurückgetreten und hat die Unternehmenssubventionsgarantie für Ihre Division widerrufen.“

Pendelton schob Richard einen Karton über den Tisch zu. Darin befanden sich seine silberne Schreibtischuhr, sein Familienporträt und sein Luxus-Füllfederhalter.

„Ihr Firmenwagen-Leasing wurde storniert. Ihre Firmen-E-Mail wurde gesperrt. Der Sicherheitsdienst wird Sie aus dem Gebäude geleiten. Wenn Sie noch einmal einen Fuß auf das Firmengelände setzen, werden Sie wegen Hausfriedensbruchs verhaftet.“

Richard bewegte sich nicht. Er konnte sich nicht bewegen. Seine gesamte Realität – sein Status, sein Reichtum, seine Identität als erfolgreicher, mächtiger Mann – war ein kuratiertes Bühnenstück gewesen. Ein Stück, das von der ruhigen Frau geschrieben, produziert und finanziert worden war, deren Tee er kritisiert, deren Kochen seine Mutter verspottet und deren verbrühte Haut er bei einer morgendlichen Tasse Kaffee ignoriert hatte.

„Sie hat mich gespielt“, atmete Richard, während Tränen der Wut und der Demütigung über seine Wangen liefen. „Die ganze Zeit… sie hat mich gespielt!“

„Nein, Richard“, sagte Pendelton sanft und blickte ihn mit mitleidiger Verachtung an. „Sie hat Sie beschützt. Zweiundzwanzig Jahre lang hat sie Sie vor Ihrer eigenen Inkompetenz abgeschirmt. Und Sie haben in die Hand gebissen, die Sie gefüttert hat.“

Zwei bewaffnete Sicherheitskräfte betraten den Konferenzraum und flankierten Richards Stuhl.

„Zeit zu gehen, Mr. Vance“, sagte einer von ihnen.

Richard nahm den Karton mit zitternden Händen auf, drehte sich um und ging zur Tür hinaus, während er die spöttischen Blicke jedes Angestellten spürte, der einst so getan hatte, als würde er ihn respektieren.

KAPITEL 7: Von Angesicht zu Angesicht hinter Glas

Am Mittwochmorgen goss es in strömenden Bächen und prasselte gegen die schusssicheren Glasscheiben des Executive-Penthouses bei Sterling, Vance & Associates.

Katherine saß am Kopfende eines massiven Konferenztisches, der aus weißem italienischen Quarz gefertigt war. Sie trug einen strengen, maßgeschneiderten marineblauen Anzug, ihr Haar war mit geometrischer Präzision frisiert. Die Verbrennung an ihrem linken Arm war unter ihrem Seidenärmel verborgen, obwohl eine dezente Spannung im Stoff sie an das Feuer erinnerte, das ihre Befreiung entfacht hatte.

Marcus Sterling stand in der Nähe des Sideboards und goss zwei Tassen schwarzen Spitzenkaffee ein.

„Er ist unten“, sagte Marcus und warf einen Blick auf den an der Wand montierten Sicherheitsmonitor. „Er schreit seit fünfundvierzig Minuten in der Lobby. Die Gebäudesicherheit wollte ihn verhaften lassen, aber ich habe ihnen gesagt, sie sollen ihn hochschicken.“

Katherine nahm einen ruhigen Schluck aus ihrer Porzellantasse. „Lassen Sie ihn kommen. Es ist Zeit, das Konto zu schließen.“

Die schweren Doppeltüren des Konferenzraumes flogen mit einem lauten Knall auf.

Richard stolperte wie ein Wahnsinniger in den Raum. Seine Kleidung war vom Regen durchnässt, seine Krawatte saß schief und seine Augen waren wild vor Verzweiflung und Wut. Er sah aus wie ein wildes Tier, das in die Enge getrieben wurde.

„Katherine!“, brüllte er und stürzte auf den Tisch zu.

Sofort trat Marcus vor, seine Hand glitt in seine Anzugjacke, wo ein Sicherheitspager versteckt war. „Noch ein Schritt auf Mrs. Vance zu, Richard, und die bewaffnete Begleitung auf dem Flur bricht dir beide Handgelenke.“

Richard hielt inne, atmete schwer, sein Brustkorb hob und senkte sich unter seinem nassen Hemd. Er starrte Katherine über die Weite des Quartztisches hinweg an. Zweiundzwanzig Jahre lang hatte er sie in verblasstem Denim, in Schirmen, beim Hemdenfalten oder beim Fahrgemeinschaftsfahren gesehen. Sie jetzt zu sehen – umgeben von Luxus, gestützt von den mächtigsten Juristen des Staates, Autorität ausstrahlend – zerstörte den Rest seines Verstands.