Drohung?“ Celia hob das Kinn und zeigte auf die Narbe an ihrem Hals. „Ich habe die Interpunktion gleich mitgebracht.“ Ein Raunen ging durch den Gerichtssaal. Der Richter forderte Ruhe. Julian blickte auf seine Hände. Zum ersten Mal schien ihn so etwas wie Scham zu erreichen, ohne dass er sie sofort in eine taktische Strategie umgemünzt hätte. Rosa sagte über das Foyer, die Falschaussage und den Anruf aus, bei dem Sofias aufgezeichnete Stimme verwendet worden war. Sie gab unumwunden zu, über Lily gelogen zu haben. Luciens Anwalt ging sofort zum Angriff über. „Sie haben einer unschuldigen Frau die Schuld gegeben, nur weil Sie eine Aufnahme gehört haben?“ „Ich war überzeugt, dass meiner Tochter Schreckliches angetan wird.“ „Die Angst hat Sie also unehrlich gemacht.“ „Ja.“ „Wie kann das Gericht Ihnen jetzt noch vertrauen?“ Rosa blickte zu Lily durch das Glas,
obwohl sie sie nicht sehen konnte. „Weil meine Tochter jetzt in Sicherheit ist und mich die Lüge nach wie vor beschämt.“ Sofia sagte aus, dass sie in der Nacht, in der Rosa den Anruf erhalten hatte, keineswegs entführt worden war. Sie identifizierte das Mitglied der Crown Saints, das ihr später gefolgt war. Verbindungsdaten bewiesen die Verbindung dieses Mannes zu Detektiv Bell und Luciens Sicherheitsbüro. Bell war tot, aber seine elektronischen Geräte sprachen nach wie vor für ihn. Tausende von Nachrichten brachten ihn mit vernichteten Berichten, manipulierten Beweismittelprotokollen und versiegelten Adoptionsbeschwerden in Verbindung. Richter Cranes Name tauchte in zweiundvierzig Unterhaltungen auf. Cranes Anwalt legte Einspruch gegen fast jede einzelne Nachricht ein. Der neue vorsitzende Richter ließ sie vorerst zu. Crane starrte auf den Boden, während seine eigenen Worte auf den Monitoren im Saal aufleuchteten:Die Beschwerde des Kindermädchens bis nach der Hochzeit unter Verschluss halten.
Das Kind verlegen, bevor Blackwood die Scans sieht.Den Verwandtschaftsantrag von Montigue nutzen.Keine öffentliche Überprüfung durch Vormundschaftsbehörden.
Der ehemalige Richter hatte sich nicht nur bestechen lassen. Er hatte das juristische Fundament im Voraus gegossen, noch bevor Serena Ethans Arm brach. Pater Gabriel sagte über Elenas Angst aus. Er schilderte den Keller unter St. Michael. Er erzählte, warum er Naomi angerufen hatte, weil Elena einst zu ihm gesagt hatte: „Wenn jeder mächtige Mann eine Meinung hat, suche nach der Frau, die zugibt, einen Fehler gemacht zu haben.“ Naomi senkte den Blick bei diesen Worten. Ihr Fehler war es gewesen, Bell Elenas Aufenthaltsort zu verraten. Ihre Entscheidung, dies öffentlich einzugestehen, hatte jedoch dazu beigetragen, ihn zu entlarven. Luciens Anwalt fragte Pater Gabriel, ob Victor Millionen an die Kirche gespendet habe. „Ja.
“ „Haben diese Spenden Ihre Loyalität beeinflusst?“ „Ich hege keine Loyalität gegenüber Geld.“ „Sie haben Victor Blackwood vor der Polizei versteckt.“ „Ich habe ein verwundetes Kind in Sicherheit gebracht.“ „Sie haben bewaffnete Kriminelle in eine Kirche gelassen.“ „Ich habe dort auch schon Politiker reingelassen.“ Im Gerichtssaal brandete Gelächter auf, das der Richter erst unterbinden musste. Die Staatsanwaltschaft rief nach der Mittagspause Serena in den Zeugenstand. Der Raum wurde vollkommen still. Sie ging langsam zum Zeugenstand. Ethan erblickte sie durch den Einwegspiegel und drückte sich fest an Lilys Brust. Sein Körper erinnerte sich noch, bevor sein Verstand es in Worte fassen konnte. Lily hielt ihn noch fester. Serena schwor, die Wahrheit zu sagen. Der Staatsanwalt begann mit dem Foyer. „Haben Sie Ethan Blackwood an seinem Arm gezerrt?“ „Ja.“ „Haben Sie Lily Carter getreten?“ „Ja.
“ „Haben Sie sie bedroht?“ „Ja.“ „Haben Sie Ethans Schulter ausgekugelt und den Bruch verursacht?“ Serena blickte durch das Glas in den Familienraum. Sie konnte Ethan nicht sehen. „Ja.“ Das Wort brach in ihrer Kehle ab. Der Staatsanwalt wurde nicht milder. „War das das erste Mal, dass Sie ihm wehgetan haben?“ „Nein.“ „Wie oft?“ „Ich weiß es nicht.“ „Mehr als fünfmal?“ „Ja.“ „Mehr als zehnmal?“ Serena schloss die Augen. „Ja.“ Lily spürte, wie Rosa hinter ihr zu weinen begann. Victors Gesicht verriet keine Regung. Seine in Handschellen gelegten Hände ballten sich langsam auf dem Verteidigungstisch. Der Staatsanwalt präsentierte Fotografien, die Lily gemacht hatte. Blutergüsse an Ethans Beinen. Ein Mal unter seinen Rippen. Eine rote Linie um sein Handgelenk. Serena identifizierte jedes einzelne. „Ich habe seine Beine zusammengedrückt, als er nach mir getreten hat.“ „Ich habe ihn gegen das Gitterbett gestoßen.“ „Ich habe sein Handgelenk festgehalten, bis er aufgehört hat, nach mir zu greifen.“ Jeder Satz machte das Atmen im Gerichtssaal schwieriger. Der Staatsanwalt wollte wissen, warum. Serena blickte zu Lucien hinüber. „Weil ich wütend war.“ „Das ist nicht die Antwort, die Sie in Ihrer Klageerwiderung gegeben haben.“ „Mein Vater hat mir gesagt, Victor würde die Hochzeit platzen lassen, wenn Ethan mich ablehnt.“ „Er hat gesagt, man könne ein Kind konditionieren.“ „Dr. Hale hat mir Medikamente gegeben, damit Ethan ruhig bleibt, wenn Victor anwesend ist.“ „Wenn die Wirkung der Medikamente nachließ, hat Ethan geweint.“ „Ich habe ihm die Schuld dafür gegeben.“ „Hat Lucien Ihnen befohlen, dem Kind den Arm zu brechen?“ „Nein.“ „Dr. Hale?“ „Nein.“ „Hat Sie irgendjemand gezwungen, Lily zu treten?“ „Nein.“ „Wer trägt dann die Verantwortung für diese Taten?“ Serena blickte erneut zum Familienraum. „Ich.“
Luciens Anwalt erhob sich zum Kreuzverhör. „Sie haben eine reduzierte Strafempfehlung akzeptiert.“ „Ja.“ „Sie erhalten Schutz als Gegenleistung dafür, dass Sie Ihrem Vater die Schuld zuschieben.“ „Ich erhalte Schutz, weil er mich in einem brennenden Hangar zurückgelassen hat.“ „Sie hassen ihn.“ „Ja.“ „Sie würden alles sagen, um ihn zu bestrafen.“ Serena blickte Lucien direkt an. „Ich habe mein Leben lang alles gesagt, um ihm zu gefallen.“ „Bestrafung ist das Erstere, das jemals ehrlich zwischen uns stand.“ Der Anwalt versuchte, Serena als psychisch instabil darzustellen. Er führte psychiatrische Akten aus ihrer Kindheit an. Der Staatsanwalt wandte ein, dass Lucien diese Unterlagen illegal beschafft hatte. Der Richter ließ nur sehr eingeschränkte Fragen zu. Serena räumte Wut, Eifersucht und eine lebenslange panische Angst vor dem Verlassenwerden ein. Sie versuchte nicht, diese Wunden als Entschuldigung anzuführen. Das machte ihre Aussage für Lucien nur umso verheerender. Hales Anwalt fragte, ob Serena jemals gesehen habe, wie Dr. Hale ein Kind verkaufte. „Nein.“ „Hat Dr. Hale Ihnen jemals gesagt, dass sie Ethan ausgetauscht hat?“ „Sie hat meinem Vater erzählt, dass sie die Embryonen kontrolliert.“ „Sie haben ein privates Gespräch belauscht, während Sie nach einer Verletzung unter Medikamenteneinfluss standen.“ „Ja.“ „Hönnten Sie das missverstanden haben?“ „Ich habe viele Dinge missverstanden.“ „Aber ich habe die Frau nicht missverstanden, die meine originale Sterbeurkunde in einer verschlossenen Schublade aufbewahrt hat.“ Der Staatsanwalt legte das Dokument aus dem Tresor von St. Agnes vor.Sarah Wynn.Weiblicher Säugling.Verstorben nach Atemstillstand.Unterzeichnet von Miriam Hale.